Daniel Göring

Von Fremden zu Familie

Internationaler Treff (Foto: Daniel Göring)

Andere Menschen und Kulturen kennen lernen und dabei Deutschkenntnisse festigen: So lauten die Ziele des Internationalen Treffs in der Kirche Dulliken. Die Teilnehmenden sind zu einer Art Familie zusammengewachsen.
Daniel Göring
Mittwochabend im Kirchgemeindehaus Dulliken. An zwei Tischgruppen haben sich rund 20 Personen unterschiedlichen Alters eingefunden und diskutieren kreuz und quer miteinander. Die Atmosphäre ist locker und entspannt. Was wie die Versammlung eines Quartiervereins aussieht, ist in Tat und Wahrheit der Internationale Treff, eine Zusammenkunft von Menschen verschiedenartigster Herkunft und Nationen.

Informaler Anlass

Zweck des Treffs ist, dass sich die Leute vernetzen und ihre Deutschkenntnisse anwenden, sprich den Umgang mit der für sie fremden Sprache üben können. «Es handelt sich um einen informalen und barrierefreien Anlass», erklärt der Dulliker Pfarrer Sascha Thiel, «die Menschen werden nicht in ein Korsett gezwängt, sondern können einfach sich selbst sein.»

Sascha Thiel hat den Treff zusammen mit gut einem Dutzend Freiwilligen und in Kooperation mit der Gemeinde kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs auf die Beine gestellt. Anfänglich als Angebot für Flüchtlinge aus der Ukraine gedacht, weiteten die Initiantinnen und Initianten den Kreis bald auf Menschen anderer Nationen aus. Mal kämen über 20 Person an den zweimal monatlich stattfindenden Treff, mal seien es bloss eine Handvoll, führt Sascha Thiel aus.

Von Autos bis Menüs

Ein regelmässiger Besucher des Treffs ist Farhan. Der Afghane erzählt den Kolleginnen und Kollegen am einen der beiden Tische von seinen ersten Erfahrungen in einer Autowerkstatt. Vor wenigen Tagen hat der junge Mann eine Lehre als Automobilfachmann begonnen. In nahezu einwandfreiem Deutsch erklärt er, dass es in einer Garage neben seinem Beruf auch noch den Automobilassistenten und den Automobilmechatroniker gebe. Freudig ergänzt Farhan, dass er kürzlich die Fahrprüfung bestanden habe, und dies im ersten Anlauf: «Wenn der Experte sieht, dass du das Auto beherrschst, dann kann nichts mehr schiefgehen», beschreibt er seine Erfahrung.

Roken verrät derweil zwei Frauen auf der anderen Tischseite, welches Menü sie am bevorstehenden Beizlifest im Dorf kochen will: gefülltes Gemüse sowie einen Weizen- und Fleisch-Eintopf. Einzig beim Dessert hat sich die Syrerin noch nicht festgelegt, wie sie schmunzelnd anfügt. Sie spricht ruhig und flüssig, die Erfahrung im Umgang mit der deutschen Sprache ist unüberhörbar. Die Frau, die in ihrer Heimat als Lehrerin tätig war, hat sich von der Absolventin des örtlichen Sprachcafés zur Ausbildnerin gemausert, die Anfängerinnen und Anfänger in der Anwendung der deutschen Sprache unterstützt.

Lob auf die Kirche

Am Internationalen Treff schätzt Roken neben dem Umstand, dass sie unter Fremdsprachigen Deutsch reden kann, noch etwas anderes – Gemeinschaft. «Ich fühle mich hier wie zu Hause und nicht mehr als Fremde. Wir können Erfahrungen austauschen und voneinander lernen.» Farhan sekundiert seine Kollegin: «Die Leute hier sind zu Freunden geworden. Ich habe keine Verwandten in der Schweiz, deshalb ist es wichtig für mich, eine Art Familie zu haben.»

Viktoria windet der Kirchgemeinde ein Kränzchen: «Die Kirche hat uns bei der Integration geholfen und unterstützt uns darin, die deutsche Sprache zu lernen.» Für die Ukrainerin hat der Internationale Treff eine grosse Bedeutung, wie sie betont: «Wir haben hier interessante Leute kennen gelernt.» Eine Aussage, unter die auch Renate Bolliger ihre Unterschrift setzen würde. Die Co-Leiterin des Internationalen Treffs findet es bereichernd, Dinge aus dem Leben der Teilnehmenden zu erfahren. «Nicht nur die Flüchtlinge lernen von uns, auch wir Betreuende können einiges von ihnen lernen.»

Weitere Informationen über den Internationalen Treff und Termine finden sich » hier.
Bereitgestellt: 31.08.2026     Besuche: 101 Monat 
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