30 Jahre im Takt – israelischer Volkstanz in Olten
Seit 30 Jahren wird in Olten israelischer Volkstanz getanzt – generationenübergreifend, mit Freude und nicht immer ganz perfekten Schritten. Was einst aus einer Begegnung zweier Pfarrfamilien entstand, ist zu einer beständigen Gemeinschaft geworden, in der Tanz, Musik, Freundschaft und für manche auch der Glaube zusammengehören.
Ursula Rutschi-Probst,
30 Jahre, drei Generationen und unzählige Tänze: Zum Jubiläum der israelischen Volkstanzgruppe trafen sich am 19. September rund 30 Menschen zwischen 30 und 92 Jahren. Einige tanzen noch heute regelmässig mit, andere waren vor 30 Jahren beim Aufbau der Gruppe dabei. Auch Oded, der die Gruppe seit 30 Jahren leitet gehört zu den vier Personen, die von Anfang an dabei waren.
Begonnen hat alles mit zwei Pfarrfamilien in der Kirchgemeinde. Seraina Hintermann, die Frau eines damals im Kirchenkreis Trimbach neu zugezogenen Pfarrers, hatte bereits in Bern in einer Gruppe von Oded getanzt. Sie erzählte dem Oltner Pfarrkollegen Jürgen Steurer davon – und die Idee, auch in Olten eine Gruppe zu gründen, stiess auf bei ihm auf Begeisterung. Der Kontakt zum Tanzleiter war schnell hergestellt und mutig wurde zum ersten Tanzabend eingeladen. Zuerst nur als Versuch, weil Oded damals noch vielfältige andere Tanz-Engagements hatte. Als ehemaliger Profitänzer der international bekannten «Batsheva Dance Company» und langjähriger Tanzleiter in Bern organisierte er regelmässig Tanz-Wochenenden mit bekannten Choreografen aus Israel.
Da die Versuchstermine in Olten auf genügend Interesse stiessen, wurden weitere Termine festgelegt und damit war der Anfang gemacht. Eine besondere Freude für den israelischen Tanzleiter war, dass vom Start weg auch ein Schweizerisch-Israelisches Ehepaar aus Olten dabei war, zu welchem Jürgen Steurer Kontakt geknüpft hatte: eine willkommene Gelegenheit die eigene Muttersprache mit einem Landsmann zu benutzen...
Israelischer Volkstanz hat tiefe Wurzeln in der jüdischen Tradition. Tanz war schon in biblischen Zeiten Ausdruck von Freude und Gemeinschaft. Traditionell wurden diese Kreistänze für Männer geschrieben, die Oltner Gruppe besteht jedoch seit jeher mehrheitlich aus Frauen. Der heutige israelische Volkstanz entwickelte sich vor allem mit den Einwanderern des 20. Jahrhunderts und erzählt in seinen Liedern und Bewegungen auch von der Geschichte und dem Leben des jüdischen Volkes.
Dabei muss nicht jeder Schritt perfekt sitzen. Anders als beim traditionellen Schweizer Volkstanz gehören kleine Ungenauigkeiten gewissermassen dazu: Ursprünglich wurden die Tänze in Kibbuzim und Dörfern vor allem durch gemeinsames Mittanzen gelernt. Auch in Olten tanzen mehrere Generationen gemeinsam, die jüngste sporadische Mittänzerin geht in die erste Klasse und darf mit ihrem Mami mitkommen, wenn Schulferien sind.
Auch schwierige Zeiten hat die Gruppe gemeinsam überstanden. Während der Pandemie nahm ein harter Kern das Tanzen wieder auf, sobald dies möglich war – mit Zertifikat, Abstand und Maske und zunächst sogar ohne Tanzleiter. Aus gesundheitlichen Gründen dauerte es länger, bis dieser wieder dabei sein konnte. In der Zwischenzeit sorgten engagierte Gruppenmitglieder dafür, dass ein guter des über Jahrzehnte gewachsene Repertoires erhalten blieb. Umso grösser war die Freude über seine Rückkehr. Durch die Jahrzehnte begleitete sich die Gruppe durch Freude und Leid: man tanzte an Hochzeiten von Mittänzerinnen und nahm auch an Beerdigungen tanzend Abschied.
Heute treffen sich gewöhnlich zehn bis zwanzig Tanzfreudige. Immer wieder kommen neue Menschen dazu. Besonders verbindend sind dabei die Lieder: Eine Tänzerin der Gruppe übersetzt laufend neue Texte, von denen viele biblische Inhalte haben. So wird der Tanz für manche zu einer ganzheitlichen Form, den Glauben zu erleben – mit Körper, Musik, Bewegung und in Gemeinschaft.
30 Jahre israelischer Volkstanz bedeuten deshalb nicht nur 30 Jahre Bewegung. Sie erzählen auch von Begegnung, Treue, gemeinsamer Freude und einer Gemeinschaft, die immer wieder neue Menschen in ihren Kreis aufnimmt.