Daniel Göring

Schockanrufe: auflegen

Polizei (Foto: Daniel Göring)

Schockanrufe beim Seniorentreff Wangen: Die Kantonspolizei informierte über die Maschen der Täter, um ältere Menschen auszunehmen.
Daniel Göring
Der Anrufer tönte alarmistisch: «Ihr Sohn Stefan hatte einen schweren Autounfall. Sein Zustand ist kritisch, er muss, um sein Überleben zu sichern, mehrfach operiert werden. Die Kosten von 12'000 Franken werden von der Krankenkasse leider nicht übernommen. Helfen Sie Ihrem Sohn zu überleben und überweisen Sie uns das Geld umgehend!»

Diesen und weitere ähnliche Fälle von Telefonaten, die zumeist ältere Personen immer wieder erhalten, stellte Jürg Tschanz von der Kantonspolizei Solothurn am Seniorentreff in Wangen vor. Mit solchen Schockanrufen versuchen Betrüger laufend, überraschten und verunsicherten Menschen Geld aus der Tasche zu ziehen.

Vornamen durch Anfangsbuchstaben ersetzen

Das Muster der Täter sei immer das gleiche, betonte Jürg Tschanz: «Sie bauen Druck auf und reden den Opfern ein schlechtes Gewissen ein.» Zwischen 2017 und 2025 erhielt die Kantonspolizei nach seinen Angaben Kenntnis von 77 erfolgreichen Schockanrufen, bei denen die Gauner zwischen 500 und 200'000 Franken erbeuteten. Er warnte auch davor, den Betrogenen Leichtgläubigkeit zu unterstellen: «Sie sind weder dumm noch unzurechnungsfähig. Sie sind bloss auf dem falschen Fuss erwischt worden.»

Der Polizist riet den Seniorinnen und Senioren, Anrufe, bei denen jemand Geld einfordere oder um andere Gefälligkeiten bitte, einfach zu beenden. Um weniger auf den Radar von Kriminellen zu gelangen, gebe es die Möglichkeit, im Telefonverzeichnis den Vornamen durch den Anfangsbuchstaben zu ersetzen, erklärte Tschanz. Der Grund für den Hinweis: Telefonbetrüger würden gezielt Personen mit älter klingenden Vornamen anrufen.

In falscher Sicherheit wähnen würden sich die Angerufenen, wenn sie der Nummer, die auf dem Telefon erscheine, blindlings vertrauten, fuhr Jürg Tschanz fort: «Die Anzeige von Telefonnummern kann manipuliert werden. Es kommt immer wieder vor, dass Täter den Polizeinotruf 117 verwenden, um den Angerufenen vorzugaukeln, ein Polizist rufe sie an.»

Falsche Mails immer raffinierter

Neben den Schockanrufen ging Tschanz auch auf Cyberkriminalität ein. Eine häufige Ausprägung davon sind Phishingversuche, das heisst betrügerische E-Mails, mit denen andere Absender vorgegaukelt werden. Beispiele sind die SBB, Banken oder Swisscom. Dank künstlicher Intelligenz würden solche Mails inzwischen täuschend echt aussehen, betonte der Polizist. Ein Merkmal, das sie alle unverändert enthielten, sei die Aufforderung, auf eine Schaltfläche zu klicken oder einen Anhang zu öffnen. So verschaffen sich die Täter Zugang zum Computer.

Um die Empfängerinnen und Empfänger hereinzulegen, werde im den Mailtexten ebenfalls Druck aufgebaut und zum Beispiel mit Konsequenzen gedroht, sollte die erwünschte Handlung ausbleiben. «Seien Sie misstrauisch, wenn Ihnen an einer Mail etwas komisch vorkommt», so der Ratschlag von Jürg Tschanz.

Wenn Liebe vorgegaukelt wird

Eine andere perfide Masche, die gezielt mit den Gefühlen der Opfer spielt, ist Romance Scam. Dabei gaukeln Betrüger alleinstehenden Menschen – in der Mehrheit Frauen – vor, in sie verliebt zu sein. Nach einer Phase, in der sie der «Angebeteten» per Mail oder Chat den Schmus bringen, erbitten sie von ihr eine finanzielle Unterstützung, die angeblich dazu dienen soll, den Absender aus einer misslichen Lage zu befreien.

Die statistischen Daten der Kantonspolizei zu der Betrugsform liessen aufhorchen: zwischen zwei und drei Dutzend Opfer meldeten sich pro Jahr, die Deliktsumme schwanke zwischen 1000 und 1 Million Franken, wie Jürg Tschanz ausführte. Sicherheit, so seine zusammenfassende Bemerkung «ist nicht immer bequem und teilweise mit Aufwand verbunden». Ein Aufwand, den zu betreiben sich lohnt, da waren sich die zahlreich im Saal sitzenden Seniorinnen und Senioren einig.

Mehr Informationen und Verhaltenstipps finden sich bei der» Schweizerischen Kriminalprävention.