Es ist zwölf Uhr, die Kirchenglocken rufen zum Mittag. Die einen Menschen hören in dem Geläut das Zeichen für eine Pause im Tagesablauf, die anderen nehmen es als Aufruf zum Gebet. Unterhalb des Glockenturms der Pauluskirche versammelt sich eine Gruppe zum Mittagstisch des Kirchenkreises Olten-Stadt. Er beinhaltet beides: die Pause und das Gebet.
Birchermüesli und Sandwich
Acht Gedecke liegen auf den Tischen in der Calvinstube bereit. Fünf Personen haben an ihnen Platz genommen. Sie wollen die nächste Stunde gemeinsam verbringen, in Gemeinschaft essen und in Ruhe Gedanken austauschen. Alle haben sie ihre Mahlzeit mitgebracht. Auf den Tischsets stehen drei Birchermüesli, ein Karton mit zwei belegten Broten und ein Aufbewahrungsgefäss aus Plastik, in dem sich zwei Salamisandwichs sowie drei Radieschen befinden.
Die Kirchenglocken läuten noch, als Esther Graf das einleitende Gebet spricht und um Gottes Segen für das Essen und die Gemeinschaft bittet. Sie ist die Initiantin des Mittagstischs, der abgesehen vom Dezember jeden Monat an einem Mittwochmittag stattfindet. Ungezwungen und unkompliziert soll er sein, den Menschen die Möglichkeit bieten, spontan teilzunehmen, wie Esther Graf hervorhebt.
Entstanden ist der Mittagstisch mit Picknick-Gelegenheit mehr oder weniger aus einer Not heraus. «Wir hatten geplant, einen Mittagsanlass einzuführen, an dem ein gekochtes Essen angeboten wird», erzählt Esther Graf. Als sich nicht genug Freiwillige finden liessen, sei die Idee entstanden, auf das Prinzip der Selbstverpflegung zu setzen. Nach rund drei Jahren ist die Initiantin von der einfachen Form überzeugt. «Unser Mittagstisch passt, so wie er ist.» Eine Aussage, der die anderen Personen am Tisch zustimmen.
Gemeinschaft gestalten
Er komme wegen den Begegnungen und den Gesprächen, aus denen er immer etwas in den Alltag mitnehmen könne, erklärt Thomas. Alma gefällt, dass die Runde zusammen betet und sie etwas aus dem Leben der anderen zu hören bekommt. Und Barbara schätzt die einfache Art, wie sich an einem Mittagstisch Gemeinschaft gestalten lässt.
Nach dem Austausch von Erlebnissen, welche die Teilnehmenden am Morgen gemacht haben, wandert das Gespräch bald einmal zur Kirche und ihren Bemühungen, die Menschen nicht nur am Sonntag im Gottesdienst, sondern auch sonst zusammenzubringen. Das Quintett möchte Begegnungen wie diejenige am Mittagstisch nicht missen, «denn sie machen einen wichtigen Teil des Lebens unserer Kirchgemeinde aus», erklärt Esther Graf.
Thomas nimmt die Bestellungen für Heissgetränke auf und serviert den vier Frauen drei Kaffees und einen Tee. Dazu geniesst die Runde selbstgebackene Guetzli, die auf zwei Teller verteilt auf dem Tisch stehen. Was müsste sich in den Augen der Teilnehmenden ändern, um den Mittagstisch noch aufzuwerten? Wieder pflichtet das Quartett bei, als Esther Graf ihren Wunsch äussert: «Es wäre schön, wenn noch ein paar Leute mehr dazustossen würden.» Zum Dank dafür, dass er den Mittagstisch besucht hat und diesen Text darüber schreibt, steckt Thomas dem Besucher eine Karte zu mit dem Zitat aus dem Buch 1. Samuel 26,23: «Der Herr wird einem jeden seine Gerechtigkeit und Treue vergelten.»
Die weiteren Mittagstische 2026: 13. Mai, 10. Juni, 8. Juli, 12. August, 9. September, 14. Oktober, 11. November, immer von 12 bis 13 Uhr in der Calvinstube der Pauluskirche. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Im Kirchenkreis Dulliken gibt es regelmässig ein
» «Zäme ässe» der ökumenischen Frauengemeinschaft, im Kirchenkreis Trimbach den
» offenen Mittagstisch «Zyt hat fürenand – ässe mitenand».