Mensch im Zentrum – Interview mit Michael Schoger
Kurz gefragt und möglichst ebenso geantwortet: Michael Schoger im Gespräch über Leben, Kirche und Glauben.
Wer bist du?
Ich bin «freischaffender» Pfarrer. Viele Jahre war ich Pfarrer in der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Niederamt, bin verheiratet mit Ingrid, wohne am Bachweg in Olten, habe zwei erwachsene Kinder mit Familie und vier Enkelkinder. Seitdem wir unseren Wohnsitz nach Olten verlegt haben, engagiere ich mich auf verschiedenen Gebieten für die anstehenden Aufgaben in der Kirche: als Vizepräsident und Mitglied des Kirchgemeinderats Region Olten, zuständig für das Ressort «Kirchliches Leben», als Präsident der Synode im Kanton Solothurn, als pensionierter Pfarrer in der Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen.
Was ist Kirche für dich?
Kirche ist Lebenseinstellung und -haltung. Sie ist nicht nur eine weltweite Kirche, sondern vor allem eine örtliche Gemeinde und noch mehr eine Gemeinschaft.
Für mich ist Kirche keine Parallelgesellschaft, sondern eine Stimme im nationalen und internationalen Dialog. Kirche, das sind Menschen, die aus ihrem Glauben heraus das Leben in der Gemeinde und in der Politik umfassend mitgestalten. Und nicht zuletzt ist Kirche – da zitiere ich gerne aus dem Gesamtkonzept unserer Kirchgemeinde vom Sommer 2025: eine Gemeinschaft in der «…jeder Mensch, unabhängig von seinem Lebensweg, wertvoll ist und einen Platz findet.» Alles zusammen ist für mich Kirche.
Wofür brennst du?
Mein ganzes Leben habe ich mich für «Gemeinschaft» eingesetzt: Füreinander, zueinander und miteinander sind Stichworte, die mir sehr wichtig sind. Diese Schwerpunkte möchte ich nicht nur heute, sondern auch in Zukunft mitgestalten und mittragen. Das betrifft selbstverständlich erst einmal die eigene Kirche, aber auch die Ökumene und die Zusammenarbeit mit den politischen Behörden.
Was sollte ich nicht verpassen?
Der Kirche eigene Impulse für die Zukunft zu geben – durch Teilnahme an Veranstaltungen und Versammlungen.
Deine Gedanken zum Weltfriedenstag vom 21. September?
Am Anfang stand der Antikriegstag in England. Daraus ist der Weltfriedenstag entstanden, ein Tag, an dem die Öffentlichkeit in Versammlungen und Kundgebungen zum Eintreten für den Weltfrieden aufgerufen wird. Der Weltfriedenstag will die Gedanken für einen weltweiten Frieden stützen und unterstützen. Er soll zum Anlass genommen werden, die Herstellung sowie die Bewahrung des Friedens öffentlich zu diskutieren.
2010 habe ich die UNO in New York besucht. Vor dem Gebäude zog die Skulptur «Der verknotete Revolver» die Blicke auf sich. Gedacht als Erinnerung an die Ermordung von John Lennon wurde das Kunstwerk 1988 von der luxemburgischen Regierung gekauft und den Vereinten Nationen geschenkt. Mittlerweile gibt es mehr als 30 Exemplare der Skulptur auf der ganzen Welt. «Der verknotete Revolver» ist meines Erachtens ein starkes Symbol und ein globaler Appell für ein friedliches Miteinander.
Dein Glaubensimpuls?
In einer Welt, die ununterbrochen Leistung fordert, setzt der evangelische Glaube einen radikalen Kontrapunkt. Vor Gott müssen wir keine spirituelle oder moralische To-Do-Liste abarbeiten. Im Miteinander von Glauben, Gemeinde und Politik halte ich fest: Ich bin nicht fromm, ich bin gläubig!