«Hochmut kommt vor dem Fall» ist in der deutschen Sprache ein häufig verwendetes Sprichwort. Wussten Sie, dass es aus der Bibel stammt? Wenn ja, hätten Sie gute Voraussetzungen, um das Rätsel zu lösen, das den Ausgang aus dem Escape Room öffnet. Acht Buben und Mädchen einer Klasse aus dem Religionsunterricht der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Olten sind gerade eifrig damit beschäftigt, die dafür nötigen Hinweise zu finden. Sie durchstöbern in einem Regal stehende Bücher, häkeln einen Schlüssel aus einem Labyrinth, knacken den Code zum Schloss einer Schatzkiste anhand von Zeichnungen, die über dem Eingang hängen.
Ein anderer Zugang zur Bibel
Der Escape Room ist Teil des Projekts «Geheimnis Bibel», das Kindern von der 3. bis 5. Klasse, aber auch Erwachsenen auf spielerische Weise die Bibel als Kulturgut näherbringen will. Ebenfalls dazu gehört eine interaktive Ausstellung, die auf einer Zeitreise aufzeigt, wie die Bibel Eingang in unsere Sprache und Symbolik gefunden hat. Träger des Projekts ist der Bibellesebund Schweiz, der die Menschen über alle Generationen hinweg dazu ermutigen will, Gott durch Lesen in der Bibel und Gebete zu begegnen.
Olten war nach Gelterkinden und Basel die dritte Kirchgemeinde, die dem Projekt ihre Türen öffnete. Im Januar 2026 war es während rund zwei Wochen in der Pauluskirche zu sehen. «Wenn Kinder in einer Ausstellung Dinge sehen und diese auch anfassen können, lernen sie etwas, ohne sich dessen bewusst zu sein», erklärt Beat Bachmann.
Er holte als Sozialdiakon «Geheimnis Bibel» nach Olten. «Das Projekt ist eine Chance für Schul- und Religionsklassen. Sie können damit zwei Kompetenzen aus dem Lehrplan 21 fördern. Zudem erhalten die Kinder so einen anderen Zugang zur Bibel.» Andi Grossmann vom Bibellesebund unterstreicht die Aussage: «Bei unserem Projekt geht es nicht darum, den Inhalt der Bibel weiterzugeben, sondern zu zeigen, wie sie unsere Kultur geprägt hat.»
Von Wachstafeln bis Tiegeldruck
Nachdem sie das Rätsel im Escape Room gelöst haben, nimmt Andi Grossmann die Kinder mit auf eine Zeitreise durch die Ausstellung. Die erste Station liegt weit in der Vergangenheit, in einem Nomadenzelt 5000 Jahre vor Christus. Am Lagerfeuer, erzählt Grossmann den Schülerinnen und Schülern, hätten die Menschen untereinander Geschichten über den Herrn ausgetauscht. So habe die Überlieferung des Wortes Gottes seinen Anfang genommen.
An weiteren Zeitstationen erfahren die Kinder, wie die ersten schriftlichen Botschaften Gottes ihren Niederschlag auf Wachstafeln oder Pergamentpapier gefunden haben. Anhand einer symbolischen Bibliothek wird den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung plastisch vor Augen geführt, wie umfangreich die Bibel mit ihren 66 Büchern ist.
Nicht fehlen darf in einer Ausstellung über die Geschichte der Heiligen Schrift der Buchdruck. Dessen Erfindung im 15. Jahrhundert sorgte dafür, dass sich die Verbreitung der Bibel massiv beschleunigte. Andi Grossmann klärt die Kinder in diesem Zusammenhang darüber auf, dass die Bibel noch heute das meistverkaufte Buch der Welt sei. An einer Tiegelpresse können sie dann selbst Hand anlegen und mit den in die Druckform eingespannten Bleibuchstaben das Wort «Olten» auf eine Karte drucken. Was die Kinder mit grossem Interesse und noch grösserem Staunen über die mittlerweile praktisch ausgestorbene Handwerkskunst tun.
In über 1700 Sprachen übersetzt
In der Neuzeit angekommen, erfahren die Schülerinnen und Schüler anhand eines Quiz, dass das Neue Testament der Bibel in über 1700 Sprachen übersetzt worden ist, es eine Bibel für Sehbehinderte und eine Bibel-App für das Smartphone gibt. Am Schluss lädt sie eine Leseecke dazu ein, in verschiedenen Formen von Bibeln zu schmökern. Während Louis sich in eine Fussball-Bibel vertieft, die den Glauben im beliebtesten Ballsport thematisiert, blättert Hanna in einer Ausgabe, die mit Legofiguren Geschichten aus der Bibel erzählt. Die Bibel: Sie ist nicht nur das am meisten verbreitete Buch, sondern auch ein enorm facettenreiches.
Mehr Informationen über «Geheimnis Bibel» unter
» www.geheimnisbibel.ch/start