Daniel Göring

Meditieren in Kirche als tiefgehende Erfahrung

Meditation (Foto: Jakob Thiel)

Jeden Montag findet in der Reformierten Kirche Dulliken eine Meditationsstunde statt. Sie lädt dazu ein, zur Ruhe zu kommen, zu sich oder auch zu Gott zu finden.
Daniel Göring
Montagabend – ein sonniger Tag neigt sich dem Ende zu, das kräftige Licht erleuchtet die Zwinglikirche in Dulliken. Vor dem Altar stehen im Kreis eine Handvoll Personen, teilweise liegt zu ihren Füssen ein quadratisches, schwarzes Sitzkissen. Astrid Käser reckt die Arme in die Höhe, die Hände aneinandergelegt, führt sie kurz vor die Brust und lässt sie wieder sinken. Dann setzt sie sich auf einen Stuhl, die von den Schuhen befreiten Füsse ruhen auf einer Wolldecke.

Die anderen Personen tun es ihr gleich, nehmen auf einem Stuhl oder im Schneidersitz auf dem Sitzkissen Platz respektive knieen sich im Fersensitz auf diesem hin. Die erste Runde der Meditation beginnt. Während 20 Minuten verharren die Teilnehmenden in ihrer Position, umgeben von Schweigen, das höchstens durch entfernte, schwach in den Kirchenraum eindringende Motorengeräusche durchbrochen wird.

Stille Meditation

Seit 2021 findet in der Dulliker Kirche jeweils am Montag zwischen 18 und 19 Uhr eine Meditation statt. Sie steht Menschen aller Religionen offen. Astrid Käser und Nadia Neuhaus teilen sich die Leitung, ab und an führt auch Pfarrer Sascha Thiel durch die besinnliche Stunde. «Die Meditation lädt dazu ein, zur Ruhe zu kommen und in sich zu gehen», erklärt Astrid Käser. Wie sie die Meditation für sich nutzen und gestalten wollen, ist den Teilnehmenden freigestellt. «Sie können einfach dasitzen, den Tag Revue passieren lassen, achtsam sein, in die Meditation versinken oder auch beten», erklärt die Leiterin.

Astrid Käser pflegt eine stille Meditation. Sie umfasst zwei Runden à zwanzig Minuten, in denen die Teilnehmenden sich ohne direkte Anleitung in die Ruhe und einen Zustand der bewusstseinsöffnenden Achtsamkeit begeben können. Unterbrochen werden die sitzend abgehaltenen Sequenzen durch eine Gehmeditation. In bedächtigen Schritten laufen die Teilnehmenden dabei einmal in der Kirche rundherum.

Bevor sie in die zweite Sitzmeditation hineingehen, gibt ihnen Astrid Käser einen Gedanken mit auf den Weg. Diesmal ist es der Bibelvers Jesaia 51,12, in dem es um Rettung und Trost geht. Nach der zweiten sitzenden Meditationsrunde strecken sich die Teilnehmenden, stehen auf, treten hinter ihre Sitzgelegenheit, heben die Arme wieder in die Höhe und verneigen sich als Zeichen des Abschlusses mit den Händen auf Brusthöhe voreinander.

Kirche in Schublade gesteckt

Die Meditation hat in jüngerer Zeit in unserer Gesellschaft verstärkt Fuss gefasst, teilweise inspiriert von fernöstlichen Religionen oder spirituellen Praktiken, teilweise in rein weltlichen Anwendungsformen für Achtsamkeit, Entspannung und Stressabbau. Leicht vergessen geht dabei, dass Meditation im Christentum eine reiche Tradition hat und Anleitungen bis zu den so genannten Wüstenvätern und -müttern ins vierte Jahrhundert nach Christus zurückreichen. Warum aber ist dieses Bewusstsein aus der breiten Öffentlichkeit verschwunden?

Astrid Käser sieht einen möglichen Grund darin, dass die Kirche hierzulande in eine Schublade gesteckt worden sei, in der es keinen Platz für anderes als das traditionelle Gebet hat. «Dabei wird übersehen, dass das Christentum die Freiheit bietet, um zum Beispiel über die Meditation in den Glauben zu finden.» Sie bekennt, dass sie früher selbst Mühe hatte, Meditation und Glaube zu vereinen. Heute ist das ganz anders: «Die Meditation hat mir einen neuen Zugang zum Glauben ermöglicht, denn in ihr muss ich keinen festen Glaubenssätzen nachleben.»

Liebe, Freude und Kraft

Wenn sie meditiere, komme sie zur Ruhe und könne sich mit dem Göttlichen verbinden, erklärt Astrid Käser. «Ich spüre Liebe und Freude, und ich kann Kraft für den Alltag tanken.» Die Meditationen in der Kirche beschreibt die Frau, die nach eigenen Angaben täglich meditiert, als eine schöne Erfahrung. Die Kombination von Praktik und Raum haben eine noch weiterreichende Wirkung auf sie: «Wenn ich in der Kirche meditieren darf, empfinde ich das als etwas Tiefgehendes.»

» Die Meditation in der Zwinglikirche Dulliken findet jeden Montag von 18 bis 19 Uhr statt. Sie steht allen Menschen offen. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

Am 21. November führen Sascha Thiel, Bhikku Suy Sovann und Imam Kerem Adigüzel » einen Meditations-Retreat aus buddhistischer, islamischer und christlicher Perspektive durch.
Bereitgestellt: 04.05.2026     Besuche: 15 heute, 15 Monat 
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