Daniel Göring

«Neue Strukturen müssen sich festigen»

Johan Post (Foto: Karin Schmid)

Unsere Kirchgemeinde hat sich Ende 2025 mit neuen Strukturen auf den Weg in die Zukunft gemacht. Wo steht sie heute? Präsident Johan Post spricht im Interview von einem geglückten Start, doch die Strukturen müssen sich noch festigen. Er appelliert an die Bereitschaft aller zum konstruktiven Dialog.
Interview: Daniel Göring
Seit rund einem halben Jahr läuft die Umsetzung der neuen Strukturen unserer Kirchgemeinde. Haben sie sich bisher bewährt?

Wir sind gut gestartet. Viele interne Abläufe sind einfacher und unmittelbarer geworden, die Führung der Mitarbeitenden erfolgt nun aus einer Hand. Dadurch haben wir in mehreren Bereichen eine einheitliche Handhabung erreicht.

Konkret: Was funktioniert gut?

Der Kirchgemeinderat ist von organisatorischen Aufgaben entlastet worden, er konzentriert sich auf übergeordnete Themen wie zum Beispiel die Förderung der Zusammenarbeit mit den vier Kirchenkreisen. Eines unserer Ziele ist, als Kirchgemeinde noch mehr zusammenzuwachsen.

Die Geschäftsleitung hat die operative Verantwortung übernommen und personelle sowie finanzielle Ressourcen zielgerichtet einzusetzen begonnen. Wir haben auch die Kommunikation ausgebaut, informieren mehr auf unseren Kanälen sowie in der Tages- und Wochenpresse. Dadurch machen wir die Kirchgemeinde nach aussen sichtbar.

Wo hapert es noch?

Die Umsetzung der neuen Strukturen ist noch nicht abgeschlossen und wird sicher bis im Sommer 2027 weitergehen. Veränderungen, wie wir sie angestossen haben, sind nicht nach einer Nacht gefestigt. Alte Strukturen loszulassen ist nie einfach – für Mitarbeitende und Behörden. Es ist normal, dass ein solcher Prozess da und dort Verunsicherung auslöst. Die Verschiebung von Kompetenzen vom Kirchgemeinderat bzw. den Kirchenvorständen zur Geschäftsleitung muss sich noch einspielen. Das braucht seine Zeit, aber auch die Bereitschaft aller Beteiligten, die neuen Zuständigkeiten zu akzeptieren.

Wie will die Geschäftsleitung das erreichen?

Wir werden weiterhin den Dialog mit den Vorständen der Kirchenkreise und den Mitarbeitenden suchen und dabei auch immer wieder über die neuen Zuständigkeiten informieren. In diesem Zusammenhang weise ich darauf hin, dass eine Kirchgemeinde keine basisdemokratische Organisation ist, in der alles in vollkommener Übereinstimmung von allen entschieden wird.

Wir haben klare Strukturen und Verantwortlichkeiten, die in unseren Reglementen unmissverständlich festgelegt sind. Daran halten wir uns. Gleichzeitig ist es unser Anliegen, die Abläufe und Prozesse weiter zu verfeinern und im Rahmen der vorgegebenen Strukturen die verschiedenen Beteiligten miteinzubeziehen.

Grundsatzfrage: Braucht es wirklich so viel Veränderung? Eine Kirchgemeinde ist doch keine Firma, die sich dauernd dem Markt anpassen muss.

Das stimmt, unsere Kirchgemeinde ist keine Firma. Aber unsere Gesellschaft ändert sich dauernd und immer schneller. Kirchgemeinden verlieren Mitglieder, das ist leider auch bei uns so. Aus diesem Grund müssen wir uns als reformierte Kirchgemeinde laufend reformieren, wenn wir für unsere Mitglieder relevant bleiben und eine Zukunft haben wollen. Geht der Mitgliederschwund weiter wie in den letzten Jahren, werden wir in nicht allzu ferner Zukunft vor der Frage stehen, ob wir überhaupt noch eine ausreichende Existenzgrundlage haben.

Kirchgemeinderat und Geschäftsleitung wollen dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen, sondern dafür sorgen, dass unsere Kirchgemeinde den Menschen eine Heimat sein kann, im spirituellen wie im sozialen Sinn. Wir wollen weiterhin nahe bei den Menschen und nahe bei Gott sein.

Was ist Ihnen in dieser Zeit der Veränderung besonders wichtig?

Es ist wichtig, dass wir als Kirchgemeinde zeigen, wofür wir stehen: Die Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Region Olten ist eine offene, breit aufgestellte Kirchgemeinde, in der verschiedene Formen und Ausprägungen des Glaubens und Menschen mit unterschiedlichster Herkunft willkommen sind. Wir wollen Brücken bauen, innerhalb der Kirchgemeinde, aber auch darüber hinaus.

Dialog ist dabei wichtig und unerlässlich. Dieser soll respektvoll und in Anerkennung von unterschiedlichen Meinungen erfolgen. Für mich ist es inakzeptabel, dass – wie es leider vorgekommen ist – Mitarbeitende und Behördenmitglieder aufgrund getroffener Entscheidungen oder geäusserter Meinungen persönlich angegriffen werden.

Ein Entscheid, der zu reden gibt, ist der Verzicht auf die Sprechblase «Jesus Christus, unser Weg», die als Ergänzung zum Logo der Kirchgemeinde eingesetzt worden ist. Untergräbt die Geschäftsleitung damit nicht das Fundament, auf dem der Glaube fusst?

Geschäftsleitung und Kirchgemeinderat haben aus grafischen und Anwendungsgründen entschieden, auf die Sprechblase zu verzichten. Das bedeutet nicht, dass wir unser Fundament «Jesus Christus, unser Weg» verlassen und ohne unseren Herrn den Weg gehen. Der Leitsatz «Jesus Christus, unser Weg» bestimmt weiterhin unser tägliches Handeln in der Kirchgemeinde und wird von den Mitgliedern im Herzen getragen.
Bereitgestellt: 16.07.2026     Besuche: 32 heute, 32 Monat 
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