Freiwillige aus dem «Exil»
Käthi Wacker ist 96-jährig und weit mehr als ein halbes Jahrhundert Freiwillige bei den Reformierten in Trimbach. Daran hat auch der Umstand nichts geändert, dass sie seit 50 Jahren in Aarau wohnt.
Daniel Göring
Aufgeräumt und aufgeweckt sitzt sie am ovalen Tisch in ihrem Wohnzimmer, neben sich Erinnerungsfotos der Familie, zwei Blumenstöcke und in einer schmalen Vase eine verblühende rote Rose. In munterem Tonfall erzählt Käthi Wacker, wie sie vor über 60 Jahren kurz nach dem Umzug aus dem Kanton Zürich als Freiwillige für die Reformierte Kirche Trimbach angefangen hat.
Ein Engagement, das die mittlerweile 96-Jährige bis heute beibehalten hat, auch wenn sie unterdessen seit mehr als 50 Jahren in Aarau daheim ist. «Der Kirchenkreis Trimbach ist vielfältig, es läuft immer etwas und ich habe im Verlauf der Jahre zahlreiche Bekanntschaften schliessen können», lautet ihre Begründung, warum sie der hiesigen reformierten Gemeinschaft treu geblieben ist.
Brockenstube lanciert
Was 1965 mit dem Eintritt in den Frauenverein, der heutigen ökumenischen Frauengemeinschaft, begann, entwickelte sich bald einmal zu einem mannigfachen Freiwilligendienst. Käthi Wacker schwang in der Küche den Kochlöffel für die Mittagstische «Zyt ha fürenand – ässe mitenand», färbte Ostereier, kochte Konfitüre ein, um sie am traditionellen Johannesmärt zu verkaufen, reiste in die Lager der Jungschar mit, wo sie die Kinder und Jugendlichen sowie Leiterinnen und Leiter bekochte.
1974 startete Käthi Wacker mit etwas mehr als einer Handvoll Mitstreiterinnen das Projekt «Brokina» – eine eigene Brockenstube in der Johanneskirche. Ob Kleider, Geschirr, Gestricktes, Puppen, Spielfiguren, Lampen, Bilder oder ähnliches – in der «Brokina» boten Käthi Wacker und ihre Kolleginnen Samstagnachmittag für Samstagnachmittag vieles zum Kauf an, was in unzähligen Haushalten überzählig geworden war. Den Erlös liess der Frauenverein gemeinnützigen Organisationen zukommen.
Nach einem halben Jahrhundert war dann aber Feierabend. «In der Region gab es immer mehr Brockenstuben, unsere Sachen gingen nicht mehr weg», erklärt Käthi Wacker. Dass die «Brokina» ihre Türen für immer schliessen musste, habe sie schon mit etwas Wehmut erfüllt, gibt die rüstige Mittneunzigerin zu. Es war ein Abschnitt, den sie auf ihrem langen Weg als Freiwillige besonders gerne gegangen ist. «Wir hatten es immer schön in der ‹Brokina›.»
Aarauer Pfarrer riet ihr, in Trimbach zu bleiben
Dass sie den Trimbacher Reformierten mit der Züglete in die Aargauer Kantonshauptstadt nicht Adieu sagte, ist wohl nicht zuletzt dem damaligen Pfarrer in Aarau zu verdanken. An einem Anlass für Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger habe er gefragt, ob sie denn in der Trimbacher Kirche aktiv gewesen sei. Käthi Wacker berichtete ihm von ihren Einsätzen als Freiwillige, vermutlich mit so viel Herzblut in den Schilderungen, dass der Pfarrer ihr den Tipp gab: «Bleiben Sie in der Kirche Trimbach aktiv.»
Ein derart abwechslungsreiches gesellschaftliches Leben könne seine Kirchgemeinde nicht bieten, habe er neidlos anerkannt, wie sich Käthi Wacker schmunzelnd erinnert. Sie tat wie ihr geraten – liess sich aber dennoch dazu verleiten, zwischendurch im Aarauer Kirchenkaffee auszuhelfen.
Mit Trimbach verbunden
Heute nimmt es Käthi Wacker als Freiwillige ruhiger. In der Regel rüstet sie für den Mittagstisch Gemüse oder schöpft das Essen auf die Teller, und beim jährlichen Eierfärben zu Ostern befreit sie die fertig kolorierten Eier vom Nylonstrumpf. Und der Frauengemeinschaft hilft sie ab und an aus, wenn Not an der Frau ist. Ein Leben ohne Freiwilligenarbeit ist für Käthi Wacker schlicht undenkbar. Zu sehr ist sie mit der Kirche in Trimbach und den Menschen, die sie ausmachen, verbunden.
Das Gefühl der Zugehörigkeit ist mit 96 Jahren noch so stark, dass Käthi Wacker mit den Reformierten Trimbachs heuer wieder in die Seniorenferien fährt. Während der Herbstwoche in Gunten am Thunersee wird sie das gesellige Beisammensein, die Spiele und das gemeinsame Singen für einmal geniessen, ohne an einen Einsatz als Freiwillige denken zu müssen.