Freiwilligenarbeit ist in ihm
Christophe Stetter ist vor 35 Jahren aus dem Berner Jura nach Dulliken gezogen. Heute ist er Mitglied des Kirchenvorstands und engagiert sich als Freiwilliger. Die Kirche ist für ihn ein Ort, wo Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu einer Gemeinschaft werden.
Daniel Göring
Vorstand im Kirchenkreis Dulliken, multikulturelles Kochen, Welcome Club für Kinder, Adventsfenster, Besuchsdienst, Chilbi Walterswil. Es ist keine kurze Liste, die zusammenkommt, wenn Christophe Stetter aufzählt, wo überall er sich als Freiwilliger in der Reformierten Kirche engagiert. Er sieht es gar nicht so: «Für mich ist das nicht enorm, ich bringe mich einfach gerne ein.» Die Freiwilligenarbeit sei so etwas wie in ihm, ergänzt Christophe Stetter.
Die Mutter als Vorbild
Seine Mutter habe sich Zeit ihres Lebens als Freiwillige betätigt – in der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde St. Imier, wo Christophe aufgewachsen ist, eine mechanische Lehre absolvierte und in einer Uhrenmanufaktur arbeitete. Bis die Krise der Uhrenbranche ihn vor 35 Jahren als Mittzwanziger in die Deutschschweiz trieb, wo er in Dulliken eine Stelle als Mechaniker fand. Dort ist Christophe Stetter geblieben respektive zwischenzeitlich nach Starrkirch-Wil umgezogen, wo er heute noch wohnt.
Als offener Mensch, wie er sich bezeichnet, habe er schnell Fuss gefasst, selbst wenn die bisweilen puritanische Wesensart der Deutschschweizer etwas gewöhnungsbedürftig gewesen sei, wie Christophe Stetter schmunzelnd anfügt. Geholfen, sich in der Region bald heimisch zu fühlen, habe auch die Landschaft mit der Jurakette, die derjenigen in St. Imier ähnlich sei, merkt Christophe Stetter mit einem Lachen an. Mit dem Berner Jura ist er bis heute eng verbunden geblieben. «In der Regel fahre ich wöchentlich hin, es ist ja nicht so weit weg.» Erneut breitet sich ein Schmunzeln auf seinem Gesicht aus. Die Frohnatur scheint ebenso zu ihm zu gehören wie die Freiwilligenarbeit.
«Lehre» begonnen
Bis vor etwa vier Jahren war Christophe Stetter einfaches Mitglied im Kirchenkreis Dulliken. Ein Kontakt zur Religionslehrerin seiner Tochter und zu Pfarrer Sascha Thiel änderte das schlagartig. Er liess sich überzeugen, im Kirchenvorstand mitzumachen. Da er die Strukturen und Funktionsweisen des Kirchenkreises und auch der Kirchgemeinde Region Olten nicht kannte, beschloss Christophe Stetter, eine «Lehre» zu beginnen, wie er es nennt. Er fing an, sich als Freiwilliger zu betätigen, packte an Veranstaltungen mit an, setzte sich zu wildfremden Menschen an den Tisch und suchte das Gespräch mit ihnen.
Angetan hat es ihm vor allem die Migrationsarbeit, die ein Schwerpunktthema des Kirchenkreises bildet. Durch seine Arbeit in einem Unternehmen, das Menschen aus zahlreichen Nationen und Kulturen beschäftige, sei er sich gewohnt, mit den unterschiedlichsten Charakteren umzugehen, erklärt Christophe Stetter. Dieses Wissen bringe er gerne in die Freiwilligenarbeit ein. Die «Lehre» von Christophe Stetter ist also keine Einbahnstrasse – auch die Kirche kann von seiner breiten und langjährigen Erfahrung in multikultureller Zusammenarbeit profitieren.
Eine Kirche wie in der Romandie
Die Kirche bietet in den Augen von Christophe Stetter den Menschen die Möglichkeit, sich zu integrieren und die eigenen Fähigkeiten einzubringen. So beobachtet er immer wieder, wie aus den vielen Kulturen im Gottesdienst eine Einheit entstehe. «Wir spüren die Verbundenheit, die wir untereinander und auch mit Gott haben.» Christophe Stetter erlebt im Kirchenkreis zudem immer wieder eine enge Freundschaft, die sich zwischen Einheimischen und den Menschen aus anderen Nationen gebildet habe.
«Unsere Kirche ist offen für alle Personen, sie ist ein Ort, an dem ich mich wohlfühle, wir sind hilfsbereit und mit Herz dabei», umschreibt Christophe Stetter das Wesen des Kirchenkreises. «Das erinnert mich an die aufgeschlossene Kirche, die ich aus der Romandie kenne», zieht er einen Vergleich, der viel mehr ein Lob an den Kirchenkreis Dulliken ist. In dieser Kirche will Christophe Stetter sich dereinst auch als Rentner weiter engagieren. «Bis zu meiner Pensionierung werde ich die ‹Lehre› abgeschlossen haben. Danach will ich beschäftigt bleiben und nicht einfach nichts mehr tun.» Wieder erscheint auf seinem Gesicht ein breites Lachen.