Daniel Göring

An Chilbi «zu Hause»

Chilbigottesdienst (Foto: Daniel Göring)

Er gehört zur Oltner Chilbi wie das Riesenrad oder die Magenbrotstände: der Chilbigottesdienst. An die 300 Personen nahmen dieses Jahr teil.
Daniel Göring
Die Autos der «Putschibahn» in der Schützenmatte sind alle besetzt, doch anstatt zu fahren, stehen sie aufgereiht am Rand der Anlage. Das Parkett des Autoscooters ist mit Bänken vollgestellt, auf denen die Menschen dicht an dicht sitzen. Rundherum stehen jene, die keine Sitzgelegenheit mehr gefunden haben. Sie alle sind nicht gekommen, um mit den Autos tollend umherzukurven und in andere Gefährte zu prallen, sondern um am Chilbigottesdienst teilzunehmen. «Wenn ich euch sehe, wünsche ich mir, dass jeden Sonntag Chilbi wäre», scherzte Melanie Ludwig bei der Begrüssung vor den nahezu 300 Personen.

Unsere Pfarrerin leitete zusammen mit dem römisch-katholischen Seelsorger und Chilbipfarrer Adrian Bolzern sowie dem christkatholischen Priester Ilya Kaplan den Gottesdienst, der heuer erstmals ökumenisch abgehalten wurde. Stadtpräsident Thomas Marbet bezeichnete den Gottesdienst als einen der Höhepunkte der Oltner Chilbi, der gleichzeitig einen willkommenen Kontrapunkt setze: «Für einmal ist es still und besinnlich, anstatt laut und lebendig.»

Auf Gefühle kommt es an

Für seine Predigt zum Thema «zu Hause» hatte Adrian Bolzern einen Rucksack mitgebracht. Stück für Stück leerte er diesen, zog zuerst einen Schlüssel heraus, dann ein Familienfoto, eine Decke, ein Herz und einen Stoffelefanten. Alle diese Dinge stünden ein Stück weit für das Daheim, doch sie könnten noch kein Zuhause begründen, führte Bolzern aus. «Es sind die Gefühle, die das Daheim ausmachen», fuhr er fort, «zu Hause ist für uns Menschen dort, wo wir geliebt werden, wo wir auch mal traurig sein und Fehler machen dürfen».

Bezugnehmend auf das Johannes-Evangelium erklärte Bolzern, dass die Menschen auch bei Gott ein Daheim hätten. Jesus habe den Menschen gezeigt, dass er in ihrem Herzen wohne. «Gott ist bei uns, und wir dürfen uns bei ihm aufgehoben fühlen«, folgerte der Chilbipfarrer. Er schlug den Bogen zurück zum Ort des Gottesdienstes und meinte, auch die Chilbi könne ein Daheim sein und erinnerte die Gläubigen an die Schaustellerinnen und Schausteller, die mit ihren Bahnen und Buden auf dem Weg durchs Land für längere Zeit ohne festen Wohnsitz auskämen. «Zuhause entsteht nicht durch Mauern, sondern dadurch, dass wir geborgen sind», so Adrian Bolzern.

Unterwegs zu Hause

Im abschliessenden Segensgebet fasste Melanie Ludwig Thema und Ort des Gottesdienstes trefflich zusammen: «Gott sei dein Zuhause im Unterwegssein.» Die einen oder anderen Besuchenden dürften den Satz in den kurz darauf beginnenden Rummel der Chilbi und auf die drehenden, kurvenden, wirbelnden und fliegenden Bahnen mitgenommen haben.
Bereitgestellt: 10.08.2026     Besuche: 5 heute 
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