Daniel Göring

Sie hält die Kirche in Schuss

Mareike Huber

Mareike Huber sorgt dafür, dass die Kirche picobello aussieht und die Besuchenden sich als Gäste fühlen. Aber nicht nur. Die Sigristin in Dulliken gibt einen Einblick in ihre vielfältigen Aufgaben.
Daniel Göring
Es ist früh am Morgen, als Mareike Huber den Gemeindesaal der Zwinglikirche in Dulliken betritt. Auf den Tischen hat es vereinzelte Gläser und offene Mineralwasserflaschen, die von der Veranstaltung am Abend zuvor stehengeblieben sind. Nachdem sie Gläser und Flaschen weggeräumt hat, stellt sie fest, dass der Kaffeesatzbehälter in der Maschine noch voll ist und geleert werden muss. Für Mareike Huber Courant normal. «Es kommt immer wieder vor, dass die Leute gewisse Dinge vergessen», erklärt sie, und in ihrer Stimme klingt weder ein Vorwurf noch Ärger an. «Aufräumen und saubermachen gehört nun mal zu meinem Job.»

Mareike Huber ist Sigristin im Kirchenkreis Dulliken. Sie trägt die Verantwortung dafür, dass Kirche, Gemeindesaal und Umgebung in properem Zustand sind und einladend wirken. Neben den klassischen Reinigungsarbeiten erledigt sie die Einkäufe der Waren, die es für den Kirchenbetrieb braucht. «Ich habe gesehen, dass wir keinen Kaffeerahm und nur noch wenig Kaffee haben – und die Kehrichtsäcke sind auch ausgegangen.» Sie macht sich einen Eintrag in ihrem dicken Kalender- und Aufgabenbuch, damit es nicht vergessen geht.

Gastgeberin aus Leidenschaft

Wichtige Aufgabe für eine Sigristin ist natürlich die Vorbereitung der Kirche für den Gottesdienst. Das heisst zu schauen, dass das Gotteshaus nicht nur gereinigt ist, sondern sich alles an seinem Platz befindet: Die Sitzkissen auf den Bänken gestapelt sind, Zopf, Traubensaft und Gläser für das Abendmahl bereitstehen, die Kerzen auf dem Altar und den umstehenden Ständern brennen. «Die Leute sollen sich in der Kirche wohlfühlen und nicht den Eindruck haben, es herrsche hier eine Unordnung», betont Mareike Huber und bringt mit den Sätzen ihr Selbstverständnis von der Tätigkeit einer Sigristin unmissverständlich zum Ausdruck.

Während den Gottesdiensten hat Mareike Huber eine Rolle inne, die ihr besonders entspricht: Sie ist als Sigristin die Gastgeberin in der Kirche, begrüsst die Gläubigen, wenn sie eintreffen, wechselt einige Worte mit ihnen, freut sich, wenn sie eine Person wiedersieht, die eine Weile nicht mehr in der Kirche war. Beim Abendmahl assistiert die Sigristin dem Pfarrer und – sofern anschliessend ein Mittagessen auf dem Programm steht – bewirtet die Gäste und sorgt für deren leibliches Wohl.

Bei diesen Aufgaben drückt der berufliche Hintergrund von Mareike Huber förmlich durch. Die gelernte Pflegefachfrau hat fast 30 Jahre in der Gastronomie gearbeitet und Menschen in Gourmetrestaurants, Kneipen, Bars und Gartenbeizen bedient. «Der Umgang mit Gästen ist mir in all den Jahren in Fleisch und Blut übergegangen», bekennt sie mit einem schalkhaften Lächeln.

«Wunschlos glücklich»

Das Serviertablett hat sie vor gut vier Jahren abgegeben und dafür den Schlüssel und die Verantwortung für das Kirchgemeindehaus in Walterswil übernommen, nur ein paar hundert Meter vom Haus entfernt, wo sie mit ihrer Familie wohnt. Ende 2023 kam die gleiche Funktion in Dulliken hinzu, als die dortige Sigristenstelle frei wurde. Heute versieht sie ein 60-Prozentpensum als Kirchenwartin. «Ich bin wunschlos glücklich mit meiner Arbeit. Die Aufgabe als Sigristin ermöglicht mir, Beruf und Familie aufeinander abzustimmen und so die Balance zu halten», unterstreicht Mareike Huber. Eine Aussage, die eine Arbeitgeberin in der heutigen Zeit nicht mehr so selbstverständlich zu hören bekommt.

Mit zur Zufriedenheit von Mareike Huber trägt bei, dass sie die Verantwortung für die Gartenarbeiten an einen Aushilfssigristen delegieren kann. «Ich bin nicht mit einem grünen Daumen gesegnet und Rasenmähen ist auch nicht mein Ding», bekennt die Sigristin augenzwinkernd. Dafür hat sie keine Mühe mit einer anderen Männerdomäne: Den Unterhalt von Geräten und Anlagen erledigt sie mit Routine, und wenn es technisch komplex wird, muss sowieso eine Fachperson für Elektrik oder Mechanik auf den Plan treten.

Auge für kleine Dinge

Dass Mareike Huber ein Auge auch für kleine Dinge hat, beweist sie zum Schluss des Gesprächs im Gemeindesaal. Als sie in Richtung Küche blickt, sieht sie, dass die oberhalb des Eingangs hängende Uhr stehengeblieben ist. «Um die werde ich mich danach kümmern», kündigt sie an. Irgendwo habe sie bestimmt noch neue Batterien, um die alten auswechseln zu können, fügt Mareike Huber so beiläufig hinzu, dass der Eindruck entsteht, die Aufgabe sei praktisch schon erledigt.
Bereitgestellt: 10.09.2026     Besuche: 6 heute 
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