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Daniel Göring

Wider moderne Geister

Geisterabend (Foto: Daniel Göring)

Böse Geister vertreiben: Jugendliche lernten im Rahmen der «Spurensuche», wie sie mit modernen «Geistern» wie Angst und Leistungsdruck umgehen können.
Daniel Göring
Der Rucksack wiegt schwer, bringt weit über zehn Kilogramm auf die Waage. Er ist eine eigentliche Bürde, die zu tragen schon nach wenigen Schritten Mühe macht. Erst recht, wenn es stockdunkel ist und der Weg bergauf durch einen Wald führt. 27 Jugendliche erfahren an diesem Abend, was es bedeutet, mit Gewicht beladen durchs Leben gehen zu müssen, spüren körperlich, was es heisst, belastet zu sein. Sie nehmen am Modul «Die bösen Geister vertreiben» teil. Es ist eines von über 30 Elementen der «Spurensuche», der neuen Form des Religionsunterrichts unserer Kirchgemeinde.

Schwerer Rucksack Leistungsdruck

In einem Waldstück am Born in Kappel, durch den der Weg führt, müssen die Jugendlichen abwechslungsweise den Rucksack tragen, in dem sich Steine befinden. Sie tragen Aufschriften wie «Noten», «Erwartungen» oder «Likes» und stehen für den Leistungsdruck in der heutigen Gesellschaft. «Druck und Stress machen uns Menschen das Leben schwer», erklärt Bruno Waldvogel, der als einer von mehreren Freiwilligen eine Gruppe von Jugendlichen durch den Abend geleitet. «Nicht nur in der Schule gibt es Druck, auch Erwachsene leiden zum Beispiel bei der Arbeit darunter», ergänzt Bruno Waldvogel.

Am Ende der Route dürfen die Jugendlichen den Rucksack ablegen und erhalten dafür einen kleinen Stein mit der Aufschrift «Matthäus 11.28». Die Bibelstelle bringt zum Ausdruck, dass niemand eine Last allein tragen muss: «Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.» Der Stein ist auch ein Symbol, um den Jugendlichen klarzumachen, dass sie in Gottes Augen wertvoll sind, ohne perfekt sein und andauernd Leistung erbringen zu müssen.

Mit Vertrauen gegen Angst

Leistungsdruck war einer von insgesamt fünf «bösen Geistern», denen die Jugendlichen auf ihrem Weg durch den Wald ausgesetzt wurden. Die anderen hiessen Angst, Lügen, Wut und Hoffnungslosigkeit. Es sind «Geister», welche die Dämonen aus vergangenen Zeiten, vor denen sich die Menschen fürchteten, abgelöst haben, wie die Jugendlichen in der Einführung zum Abend erfuhren. Pfarrerin Melanie Ludwig und Bruno Waldvogel versprachen ihnen einen «Abenteuer-Rundgang mit Überraschungen». Sie mussten an den fünf Posten, die je einem modernen «Geist» gewidmet waren, gemeinsam eine Aufgabe lösen.

Die Angst bekamen sie auf einem kurzen Abschnitt neben dem Weg zu spüren. Zwischen Bäumen war ein Seil gespannt, dem entlang eine Person die andere, welche ihre Augen geschlossen hatte, führen musste. Bei dieser Übung traf die Unsicherheit auf das Vertrauen, wenn man sich von jemand anderem blindlings durch unbekanntes Gelände lenken lässt. «Was hat euch dabei geholfen?» wollte Claudia Haefeli, die eine andere Gruppe mit Jugendlichen leitete, von ihnen wissen. «Meine Kollegin, die aufgepasst hat, dass ich nicht in einen Baum hineingelaufen bin», lautete die Antwort einer Jugendlichen.

Symbole als Erinnerung

Was Claudia Haefeli zu der Feststellung veranlasste, dass Vertrauen nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern trotz Angst weiterzugehen: «Jesus ist immer da, er hilft euch jederzeit und überall.» Als Symbol überreichte sie den Jugendlichen eine kleine elektrische Kerze, die ihnen fürderhin dunkle Wege erleuchten soll. Mit den verschiedenen Symbolen an jedem Posten erhielten die Jugendlichen Werkzeuge in die Hand gedrückt, die sie daran erinnern sollen, wie sie mit «bösen Geistern» umgehen können: indem sie auf Gott vertrauen.